
© Verena Müller
Spielstraßen bringen das
Recht auf Spiel auf die Straße
Die Kinderbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart,
Maria Haller-Kindler, bezieht Stellung im Luftballon.
Liebe Eltern, liebe Leserinnen und Leser,
Das schöne Wetter lockt uns nach draußen! Mehr Platz zum Spielen,
zum Radeln, zum Roller und Inlineskates fahren – das wünschen
sich viele Kinder, vor allem in der dicht bebauten Innenstadt.
In Stuttgart bieten wir auch in diesem Jahr 50 temporäre Spielstraßentermine
an. Dafür wird die Fahrbahn einen Nachmittag
gesperrt und es gibt ein tolles Spielangebot auf der Straße. Ob
Ballspielen, Fahrzeuge ausprobieren, Wettrennen, Seilspringen,
Türme bauen – hier können Kinder sich ausprobieren und austoben.
Es entstehen neue Freundschaften in der Nachbarschaft unter
Kindern und auch Erwachsenen, die Gelegenheit haben, sich
auszutauschen.
Für viele Eltern war in der eigenen Kindheit Spielen auf der
Straße normal. Und ganz früher doch sowieso? Oder etwa nicht?
Neulich wurde ich auf einen Artikel in der New York Times aufmerksam
gemacht: „Kinderkriminalität in New York ist eine Folge
des Straßenspiels“ aus dem Jahr 1914. Tatsächlich wurden Anfang
des 20. Jahrhunderts jährlich zwölftausend Kinder verhaftet, weil
sie die Straßen mangels Alternativen zum Spielen nutzten. So wurde
zum Beispiel der junge William C. verhaftet und wegen ordnungswidrigen
Verhaltens angeklagt. Er hatte
schlicht und ergreifend Fußball gespielt und
dafür gab es in Manhattan einfach keinen
Ort. Der Artikel verdeutlichte, dass Kinder
Bedarf an Platz zum Spielen haben,
gerade in dicht besiedelten Stadtteilen.
Im Juli 1917 führte ein Polizeikommissar
namens Arthur Woods ein Experiment
ein, eine Spielstraße. Ein
Straßenabschnitt in Manhattan wurde
für den Verkehr gesperrt. Die Kinder
spielten ganz legal und viele Erwachsene
tanzten, denn es wurde ein Volkstanzfestival
mit zwei Straßenklavieren organisiert.
Das kam so gut in der Bürgerschaft an, dass im
selben Jahr 29 weitere Spielstraßen folgten. 1924 gab es 50
© Thomas Niedermüller, Stadt Stuttgart
Spielstraßen in Manhattan, der Bronx, Brooklyn und Queens. Ein
bisschen Ruhm erlangten die Spielstraßen durch Althea Gibson. Als
kleines Mädchen nahm sie in den Dreißigerjahren in den Spielstraßen
von Manhattan zum ersten Mal einen Tennisschläger in die
Hand und entdeckte eine Leidenschaft. Anders als William C. wurde
sie nicht verhaftet, sondern ein Weltstar im Tennis. Heute gibt es
in allen Bezirken der Weltmetropole Spielstraßen, denn Spielen ist
kein Verbrechen, sondern ein Kinderrecht!
Dieses Kinderrecht liegt uns auch in Stuttgart als kinder- und jugendfreundliche
Kommune am Herzen. Wir freuen uns, dass wir
unser temporäres Spielstraßenangebot über die Jahre vergrößern
konnten. Haben Sie selbst Lust, in Stuttgart eine Spielstraße
zu organisieren? Oder haben Sie Platz zum Spielen vor der eigenen
Haustür und können dann mit der Nachbarschaft ins Gespräch
kommen? Melden Sie sich gerne im Kinderbüro.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern einen schönen Frühling
mit viel Zeit zum Draußensein und Spielen!
Mit herzlichen Grüßen
Ihre Maria Haller-Kindler
Wer Kontakt zum Kinderbüro aufnehmen möchte, kann dies unter
Telefon 0711-216-59700 oder per Mail unter
kinderbuero@stuttgart.de tun.
Der „Schwanen“ in Kaltental
Engagement fürs Gemeinwohl
Engagierte Kaltentaler bei der Gründung des Vereins „Der Schwanen verbindet“
S-Süd (ISt) - Wer noch nicht in Kaltental war,
hat spätestens jetzt einen Grund, den Kessel
zu verlassen. Neuerdings trifft man sich dort
im „Schwanen“, in einem Lokal mit ganz besonderem
Charme. Möglich war das Ganze,
weil sich dort nun eine Gruppe von engagierten
Personen fürs Gemeinwohl vor Ort einsetzt
und nicht meckert, sondern macht - in
Zeiten wie diesen wichtiger denn je.
„Das geht überhaupt nicht, dass es in Kaltental
keine Gaststätte mehr gibt. Das ist ein unhaltbarer
Zustand. Wenn´s niemand macht, müssen wir
es halt selbst machen“, positioniert sich Michael
Knecht, Mitglied des Vereinsvorstands im Verein
„Der Schwanen verbindet“. Um die letzte Gaststätte
vor dem Aussterben zu bewahren, hat sich
im letzten Jahr ein Verein gegründet. Dem Anspruch
des „Verbindens“ wird der „Schwanen“ zu
hundert Prozent gerecht. So geschieht es nicht selten,
dass man in der lauschigen Kneipe bisher unbekannte
Gesichter kennen lernt und interessante
Kontakte knüpft. Umso wichtiger erscheint dieser
Ort des Austausches, weil doch tagsüber die allermeisten
Bewohner an den unterschiedlichsten
Orten beschäftigt sind.
© Spielweltern © Der Schwanen verbindet e.V.
Die inzwischen rund 80 Vereinsmitglieder,
überwiegend ohne Gastro-Erfahrung, teilen sich
nicht nur ehrenamtlich sämtliche Service-Schichten,
sondern sie gestalten auch das bunte Programm
im „Schwanen“. So gab es im Februar einen Vortrag
zum energieeffizienten Sanieren, immer wieder finden
Konzerte statt, im April bietet ein Mitglied eine
Weinprobe an. Donnerstagmittag gibt es in Kooperation
mit der Bodelschwinghschule in Stuttgart einen
Mittagstisch. Für die anderen Mahlzeiten auf
der Speisekarte konnte man einen erfahrenen französischen
Koch gewinnen, der ausgesprochen leckere
schwäbische Küche zu fairen Preisen kocht.
Am „Schwanen“ sieht man, was alles möglich
ist, auch ohne Gastro-Erfahrung. Eingeladen zum
Dinieren und Quatschen sind natürlich alle, auch
Nicht-Kaltentaler. Kinder profitieren von Kindermenüs
und Hochstühlen.
Auf schwanen-kaltental.de findet man Infos zu
Veranstaltungen und der Speisekarte. Dienstag-
Freitag hat der „Schwanen“ von 17.30-22 Uhr
geöffnet (Küche 18-21 Uhr), sonntags von 11.30
-15 Uhr (Küche bis 14 Uhr). Donnerstags bieten
Schüler der Bodelschwinghschule von 11.30 –
13.15 Uhr einen Mittagstisch an. Reservierungen
(zu den Öffnungszeiten) unter Tel. 90776940.
Reiten, striegeln, ernten
Neuer Indoorspielplatz im Kreis Böblingen
Holzgerlingen (lrm) – Ein Spiel-Bauernhof
ist die neue Adresse für Spielspaß bei jedem
Wetter, auf dem Familien mit jüngeren
Kindern das Landleben entdecken können.
Viele schöne Details hat sich Betreiber Philipp
Kratschmer mit seinem Team einfallen lassen, um
bei Familien mit Kindern von null bis acht Jahren
für Spaß und Abwechslung zu sorgen: von Bauernhoftieren
zum Striegeln, Reiten und Hüpfen, über
Gemüseernte und Traktorfahren bis hin zur Bauernhofstube
und dem Hofladen. Eine Kletteranlage
mit Schlittenrutsche und Trampolin sorgt für
Abwechslung und Bewegung. Und für die Großen
gibt es an vielen Ecken gemütliche Sitzmöglichkeiten,
um bei leckeren Snacks zu entspannen.
Der Spiel-Bauernhof ist schon der dritte Indoorspielplatz
des rührigen Betreibers Philipp
Alles, was dazugehört: Tiere, Trecker, Äcker
6 Aktuell luftballon | April 2025