
von Christin Hartard
Wärmepumpe: Besser als ihr Ruf
Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt,
bis 2045 klimaneutral zu sein.
Ein wichtiger Bestandteil, um dieses
Ziel zu erreichen: die Wärmewende.
Knapp 20 Prozent der gesamten CO²
Emissionen entstehen in Deutschland
beim Heizen von Wohnraum, so der
Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland. Eine Lösung für klimafreundliches
Heizen könnte die
Wärmepumpe sein. Wann sie sinnvoll
ist und worauf man achten sollte.
Wärmepumpen erhitzen das Wasser in
der Heizung mit Wärmeenergie der Umgebung.
Dabei entziehen sie - abhängig
vom Typ - die Wärme aus verschiedenen
Quellen: der Luft, dem Erdreich oder dem
Grundwasser. Die Umgebungsenergie
wird mithilfe von einem Kältemittel und
Kompression auf eine höhere Temperatur
gebracht. Der Vorteil: Der Großteil der
Wärmeenergie wird kostenfrei der Natur
entnommen, lediglich der Kompressor verbraucht
Strom und damit Geld.
Wärme - Energie aus der Natur
Wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet,
hängt maßgeblich von der Installation und
den Gegebenheiten vor Ort ab. „Warm
wird es auch mit einer Wärmepumpe immer
irgendwie, aber bei einem effizienten
Wärmepumpenbetrieb sollten sich auch
die Heizkosten attraktiv darstellen“, sagt
Andreas Köhler, Architekt und Energieberater
der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Dabei spiele der energetische
Zustand des Gebäudes eine wichtige Rolle.
Denn die Wärmepumpe ist eine sogenannte
Niedrigtemperaturheizung. Bedeutet:
Sie arbeitet besonders effizient bei
einer Vorlauftemperatur bis 35 Grad Celsius.
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur,
die das Heizwasser hat, bevor es in den
Heizkörper eintritt. Daher gilt: Je besser das
Haus gedämmt ist und je größer die Heizungen,
desto effizienter kann die Wärmepumpe
arbeiten.
Keine Generalsanierung nötig
In der Debatte um die Wärmepumpe
hieß es immer wieder, Bestandsgebäude
Wissenswertes zu Effizienz, Kosten und Alternativen
In der Wohnung wird es auch mit einer Wärempumpe wohlig warm.
müssten komplettsaniert werden, damit
eine Wärmepumpe funktionieren kann.
Das ist keinesfalls so, sagt Energieberater
Köhler. Wärmedämmung sei natürlich
nie verkehrt, aber in den allerwenigsten
Fällen zwingend erforderlich, so Köhler.
Ebenso wenig brauche man unbedingt
eine Fußbodenheizung - auch wenn das
viele immer noch glauben würden. In vielen
Fällen reiche schon der Austausch der
Heizkörper gegen größere Modelle aus.
Denn entscheidend für einen effizienten
Wärmepumpen-Betrieb ist die Größe der
wärmeübertragenden Flächen. Über eine
größere Heizfläche wird mehr Wärme abgegeben
und das wiederum bedeutet, dass
die Heizung eine geringe Vorlauftemperatur
braucht.
„In einem bestehenden, normalen Einbis
Zweifamilienhaus ist die Wärmepumpe
fast immer sinnvoll zu betreiben“, so Andreas
Köhler. Ausnahmen stellen besonders
sanierungsbedürftige oder denkmalgeschützte
Gebäude dar. Bei Neubauten seien
Wärmepumpen mittlerweile sowieso die
erste Wahl. Laut dem Bundesministerium
für Wirtschaft und Klimaschutz wurden im
Jahr 2022 in 57 Prozent der Neubauten
Wärmepumpen eingesetzt. Bei Bestandsgebäuden
sei in jedem Fall eine individuelle
Beratung vor Ort sinnvoll, so Köhler.
Kosten variieren
Am häufigsten werden laut dem Energieberater
sogenannte Luft-Wärmepumpen
verbaut. Also solche Wärmepumpen, die
die Wärmeenergie aus der Luft entziehen.
Das habe den einfachen Grund, dass sie
am einfachsten zu installieren sind. „Bei
Sole-Wärmepumpen sind aufwendige
TippS & WiSSENSWErTES iN KürZE:
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Die Verbraucherzentrale Baden-
Württemberg bietet energieberatungen
an - telefonisch, online oder zuhause.
alle infos dazu unter:
verbraucherzentrale-energieberatung.
de/beratung . Bei Vor-ort-terminen
fallen Kosten von 40 euro an, für
einkommensschwache Familien ist die
Beratung kostenfrei.
Genehmigungsverfahren oder Vorarbeiten
wie Probebohrungen nötig“, so Köhler. Bei
solchen Wärmepumpen, die das Erdreich
als Energiequelle nutzen, fallen dementsprechend
höhere Kosten an. Ihr Vorteil:
Im Gegensatz zur Außenluft ist das Erdreich
das ganze Jahr über eine konstante
Wärmequelle. Ähnlich ist es bei der Wasser
Wärmepumpe, die das Grundwasser
als Wärmequelle nimmt.
Die Kosten lassen sich pauschal nur
schwer vorhersagen. „Man kann davon ausgehen,
dass die Kosten für die Wärmepumpe
samt Installation zwischen 30.000 und
50.000 Euro liegen“, sagt Energieberater
Andreas Köhler. Hinzu kommen eventuell
Anpassungen am Bestandsgebäude je nach
individueller Situation.
Hohe Förderung
Wer sich für eine Wärmepumpe entscheidet,
bekommt allerdings auch Förderungen.
Es gibt eine Grundförderung von
30 Prozent, die jeder bekommt. Wird
die Wärmepumpe vor 2028 eingebaut,
kommen 20 Prozent als Klimageschwindigkeitsbonus
dazu. Außerdem erhalten
Haushalte mit einem jährlichen Einkommen
bis 40.000 Euro einen Bonus von 30
Prozent. Für Wärmepumpen, die nicht mit
der Außenluft arbeiten, gibt es wegen der
höheren Investitionskosten fünf Prozent
Förderung. „Die Förderung ist allerdings
gekappt bei 70 Prozent“, so Köhler.
Hybridsysteme als Alternative
Und was, wenn jemand keine Wärmepumpe
einbauen möchte oder kann? Das
Gebäudeenergiegesetz schreibt vor, dass
spätestens ab 2028 alle Heizungen mit
65 Prozent erneuerbarer Energie laufen
müssen. Eine Möglichkeit, diese Vorgabe
zu erfüllen, sind laut Energieberater Köhler
Hybridsysteme. Also zum Beispiel die
Kombination aus einer Wärmepumpe und
einer Gas- oder Ölheizung. Die Gas- oder
Ölheizung würde in so einem Fall dann
anspringen, wenn die Wärmepumpe in
der kalten Jahreszeit nicht effizient genug
arbeiten kann. Das kann sich vor allem
dann lohnen, wenn die Bestandsheizung
eigentlich noch eine lange Lebensdauer
vor sich hätte.
Auch Pelletheizungen werden aktuell
als klimaneutral eingestuft. Köhler gibt
allerdings zu bedenken, dass bei der Verbrennung
Feinstaub entstehe. „Würden viele
Haushalte mit Pellets heizen, ginge das
auf die Luftqualität.“ In Einzelfällen zum
Beispiel bei sehr alten Bestandsgebäuden
können Pelletheizungen eine Lösung sein,
flächendeckend wohl eher nicht. Eine weitere
Möglichkeit: Fernwärme. Hier wird die
Wärme nicht im Haus erzeugt, sondern von
einem Großkraftwerk an viele Haushalte
geliefert. Allerdings gibt es nicht überall ein
solches Fernwärmenetz. „Wenn ein Wärmenetz
nicht geplant ist, muss man auch nicht
darauf warten. Dann kommt es vermutlich
nicht“, sagt Köhler dazu.
In den meisten Fällen gibt es laut Energieberater
Köhler wenige Gegenargumente
gegen die Wärmepumpe - trotz hoher
anfänglicher Investitionskosten. „Es ist
einfach das zukunftsfähigste System“, so
Köhler. Gut geplant und installiert macht
eine Wärmepumpe in den meisten Fällen
aus relativ wenig Strom viel Wärmeenergie
und wer Ökostrom bezieht, heizt
klimaneutral.
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