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Ein Handbuch für die Ganztagsschule von Borjana Zamani Vor fünf Jahren wurde per Gesetz beschlossen, dass bis zum Jahr 2022 siebzig Prozent der Grundschulen in Baden-Württemberg Ganztagsschulen werden sollen. Heute sind es 18,3 Prozent aller Grundschulen im Land. Das Kultusministerium stellte im Juli einen Qualitätsrahmen vor, der die Arbeit und Gestaltung in den Ganztagsschulen in Baden-Württemberg zukünftig regeln soll. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann sieht die Ganztagsschulen als „einen wichtigen Baustein für mehr Bildungs- und Leistungsgerechtigkeit“ und als eine wichtige Voraussetzung, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Im Ganztageskonzept in den Schulen hätten aber bisher qualitative Vorgaben und landesweite systematische Unterstützung gefehlt, teilte das Kultusministerium mit. „Diesen grundlegenden Webfehler korrigieren wir jetzt“, sagt die Kultusministerin und stellt einen Qualitätsrahmen vor, der eine Art Handbuch oder Ratgeber für die Ganztagsschulen sein soll. Das Kultusministerium stellt Qualitätsrahmen vor Ganztagesschule braucht viele spielerische Elemente. Seine 38 Seiten fassen den Dialog der beiden Ganztagsgipfel und einem Fachtag der vergangenen Jahre zusammen. Schulen, Lehrerverbände, Eltern, Schüler, außerschulische Partner, Beratungsgremien und andere haben daran gearbeitet. Dennoch müsse er nicht wie eine Checkliste abgearbeitet werden, vielmehr soll er „Meilensteine auf dem Weg zur Ganztagsbildung setzen“, so Eisenmann. Zufriedenheit, aber auch Wunsch nach Flexibilität Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieser Weg nicht kurz und nicht eben sein wird. Heute gibt es viele zufriedene Kinder, Eltern und Lehrer. Die Kinder seien den ganzen Tag mit Gleichaltrigen zusammen, das stärke die soziale Kompetenz und neben dem Unterrichtsbetrieb biete die Ganztagsschule vielfältige Beschäftigungen. Es gibt aber Familien, die bereuen, im Einzugsgebiet einer Ganztagsschule zu wohnen. Einige bedauern, mit ihrem Kind nicht spontan etwas unternehmen zu können und wünschen sich mehr Flexibilität. Andere meinen: „Besonders die ersten zwei Schuljahre sind die Kinder nach der Schule so müde, selbst wenn es ihnen eigentlich in der Schule gut geht, dass sie keine Kraft für ihre Sport- und Musiktermine haben. Aber die Schule kann noch nicht alles bieten.“ Jetzt sollen spezifische Berater die Schulleitungen unterstützen und bürokratische Aufgaben übernehmen. Dadurch werden die Schulleitungen in Zukunft entlastet und haben mehr Zeit für inhaltliche Fragen. Die FDP kritisiert, dass der Qualitätsrahmen noch nicht alle Formen der Betreuung umfasse. Für die SPD ist der Rahmen ein bloßer „Papiertiger“ und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verlangt mehr Lehrerstunden für die Umsetzung des Qualitätsrahmens. Man kann das Modell der Ganztagsschule wohl noch nicht fertig nennen. Damit der Qualitätsrahmen seine Wirkung zeigt, „müssen alle Beteiligten dauerhaft und konstruktiv im Austausch bleiben“, erklärt die Ministerin bei der Vorstellung. Und Prof. Anne Sliwka, die mit ihrer wissenschaftlichen Expertise wichtige Impulse darin eingebracht hat, ergänzt: „Von den Schulen wird ein zukunftsgerichtetes pädagogisches und organisatorisches Um- beziehungsweise Weiterdenken erwartet.“ Die Ganztagsschule lehrt und lernt wohl zugleich. Infos zum Qualitätsrahmen Ganztagsschule unter www.km-bw.de Mehr Informationen unter www.volksbank-stuttgart.de/vr-primax Luftballon | September 2019 Schulanfang 15


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