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ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG ARD HÖRSPIELTAGE 2016 5 Live-Hörspiel Hollywood on Air – Verdacht Live-Hörspiel nach dem Hitchcock-Klassiker Die reich geborene Lina heiratet den zwielichtigen Verführer Johnny, trotz aller Warnungen ihres Vaters, der in ihm einen Mitgiftjäger wittert. Erst allmählich dämmert ihr, dass Johnny womöglich gar nicht aus Liebe gehandelt hat, sondern... – Alfred Hitchcocks „Verdacht“, nach dem Buch von Francis Iles, wandert von der Leinwand auf die Bühne, als Live-Hörspiel des Projekts „Hollywood on Air“, das die „Golden Days of Radio“ neu aufleben lässt. Im Lux Radio Theatre in Hollywood entsandten einst Stars wie James Stewart, Ingrid Bergman oder Marlene Dietrich ihre Stimmen von einer Theaterbühne aus einem Millionenpublikum vor den Radioapparaten. „Ladies and Gentlemen – And here comes Hollywood!“, hieß es dann. An diese Tradition knüpft „Verdacht“ an, das Regine Ahrem vom rbb inszeniert hat und im Gespräch näher vorstellt: �� Frau Ahrem, was war Ihnen bei der Inszenierung grundlegend wichtig? Wie originalgetreu sind Sie vorgegangen? Die Produktion „Hollywood on Air – Verdacht“ nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die „Golden Days of Radio“, jene singuläre Epoche in den 1930er- und 40er-Jahren, als nahezu jeder Hollywoodstar auch in den Hörspielversionen seiner Filme aufgetreten ist – live und in eigens dafür gebauten Hörspieltheatern. Ich wollte die Realisierung dieser Zeitreise ins Jahr 1949 ernst nehmen, weshalb ich versucht habe, bewusst auf jegliche elektronisch-digitale Unterstützung zu verzichten. Das heißt: Alles, was man sieht (und vor allem hört), ist „handgemacht“. �� Haben Sie etwas am Stück verändert? Das Hörspiel bezieht sich einerseits auf den Film, andererseits finde ich es legitim, diesen Stoff nach gut siebzig Jahren neu und modern zu interpretieren. Ich fand es aus heutiger Sicht nicht mehr haltbar, Lina – so wie im Film und Roman – durchgehend als passives Opfer darzustellen. In unserem Hörspiel wird Lina immer mehr von der passiven Bewunderin zur aktiven Handlungsträgerin. Diese moderne Sichtweise verändert auch den Schluss des Stücks. �� Hatten Sie Bedenken, in den Text einzugreifen? Nein – überhaupt nicht. Meine Bearbeitung basiert auf dem Roman „Before the Fact“ von Francis Iles, der auch die Vorlage für den Film bildete. Bereits der Film hat einen völlig anderen Schluss. Scheidet Lina im Roman freiwillig aus dem Leben, endet der Film mit einem – sehr überraschenden – Happy End. Ich selbst habe mich für eine dritte Variante entschieden, in der Lina ihr Schicksal selbst in die Hände nimmt. �� Hitchcock musste das Ende für den Film umschreiben, was ihm selbst nicht gefiel … Ja, allerdings. Obwohl die gesamte Beweisführung des Films auf Johnny als Täter zielt, kann er sich in den letzten fünf Minuten des Films von jedem Verdacht freisprechen. Hitchcock hatte zunächst ein viel unversöhnlicheres Ende gedreht, jedoch: ein Publikumsliebling wie Cary Grant als heimtückischer Frauenmörder? Für die Studiobosse von RKO war ein solcher Schluss jedenfalls unakzeptabel. Den versöhnlichen, neuen Schluss setzte Hitchcock zwar um, er mochte ihn aber nicht. �� Welche Musik wird gespielt? Wird es ein 25-Mann-Orchester geben, wie damals? Neben den Stars und dem obligatorischen Foley Artist, also dem Geräuschemacher, war ein 25-köpfiges Sinfonieorchester fester Bestandteil einer jeden Radio-Show. Schon aus Kostengründen mussten wir uns hier ein anderes Musikkonzept überlegen. Unser Musiker Mark Scheibe ist aber ein vollgültiger Ersatz. Er liefert nicht nur die atmosphärische Untermalung der Szenen, sondern steuert als „solo act“ auch ein paar hinreißende Songs aus jener Zeit mit bei – so unter anderem auch Charlie Chaplins berühmten Song „Smile“. �� Welche Herausforderungen bietet so ein Live- Hörspiel für die Schauspieler*innen? Vier Schauspieler übernehmen insgesamt 12 Rollen: das verlangt ihnen – allen voran Gerd Wameling – eine große Wandlungsfähigkeit ab. In der Tat ist das eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch ein großer Spaß, der sich dem Publikum im Übrigen mühelos mitteilt. �� Ist der Geräuschemacher der heimliche Held in Ihrer „Verdacht“-Version? Vielleicht eher der heimliche Liebling. Denn es ist schon erstaunlich, was er da alles auf die phantasievollste Art aus dem Koffer zaubert. Oder hätten Sie gedacht, dass ein einfaches Küchenhandtuch geradezu zwingend Herzklopfen erzeugen kann? �� Das Hörspiel ist auch als 3D-Kunstkopf-Version auf CD erschienen. Warum die Entscheidung für diese Technologie? Die 3D-Kunstkopftechnologie wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und erlebte ihrerzeit einen kurzen Hype. Sie erlaubt ein ungemein räumliches Hören, das heißt die Informationen kommen nicht nur von rechts und links, sondern auch von oben und unten und von vorne und hinten. Einzige Voraussetzung: Man hört das Ganze über Kopfhörer. Heutzutage im Zeitalter der mobilen Rezeption, wo jedes Kind mit Kopfhörern herumläuft, schien es uns das Gebot der Stunde, diese Technik wiederzubeleben. Der Erfolg, den die Produktion hatte, hat uns Recht gegeben, dass die Zeit dafür reif war. Mehr Informationen unter www.hollywood-on-air.de �� Kostenpflichtiger Eintritt. Karten erhältlich beim SWR2 Ticketservice unter Telefon 07221 300/200 oder unter SWR2kulturservice.de (zzgl. Porto- und Bearbeitungsgebühr) sowie unter Reservix (Print at Home-Tickets) Eintritt: 12 Euro / ermäßigter Eintritt: 7,50 Euro © cineclassico Alamy Gerd Wameling Chris Pichler Max Volkert Martens Eva Weißenborn Fotos: © Hollywood-on-Air


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