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ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG 10 Nominierungen ARD HÖRSPIELTAGE 2016 es gegen die Aufklärung und ihr Ziel, das allgemein Menschliche als Wesentliches unseres Seins zu verstehen, immer wieder Versuche gab und gibt, Differenzen zu konstruieren und zu behaupten. Leonhard Koppelmann hat den Klassiker neu bearbeitet. Mit: Michael Maertens, Cornelius Obonya, Peter Matic´, Pippa Galli, Brigitte Karner, Karl Markovics, Thomas Mraz | Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann | Musik: Peter Kaizar | Produktion: ORF/NDR 2016 | Länge: 54’30’’ Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Leonhard Koppelmann (Bearbeitung und Regie) und Kurt Reissnegger (Redaktion), ZKM_Musikbalkon Donnerstag, 10. November 19 Uhr �� ZKM_Kubus Tower of Babel Nach „Monsters of Grace“ ist „Tower of Babel“ das zweite Hörspiel von Robert Wilson. Es bezieht sich auf eine der kleinsten und zugleich populärsten Geschichten des Alten Testaments. Das Dogma des ewigen wirtschaftlichen Wachstums, ebenso wie das Auseinanderfallen kultureller Einheiten und Gewissheiten machen die Geschichte des Babylonischen Turmbaus zu einem hochaktuellen Motiv. Robert Wilson führt in seinem Hörspiel eine überwältigende Vielfalt von Texten, Musiken und Sprachen zusammen. Angefangen mit altbabylonischen Stadtbeschreibungen bis zu Collagen von Christopher Knowles finden Beispiele der Kunst und des menschlichen Geistes aus vielen Epochen zusammen. In gewisser Weise dreht Robert Wilson mit „Tower of Babel“ die biblische Geschichte um oder vollendet sie – indem er auf die verbindende Kraft der Kunst verweist. Mit: Cécile Brune, Edith Clever, CocoRosie, Christina Drechsler, Lisa Genze, Ilie Gheorghe, Traute Hoess, Jürgen Holtz, Inge Keller, Lydia Koniordou, Christopher Knowles, Stefan Kurt, Daniel Liebeskind, Jonathan und Brigitte Renate Meese, Christopher Nell, Fiona Shaw, Robert Wilson, Daniel Hope (Violine) | Regie: Robert Wilson | Musik: Dom Bouffard & Hal Willner | Produktion: hr/BBC/ NDR/rbb/SWR 2016 | Länge: 71’04’’ Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Tilman Hecker (Co-Regie) und Ursula Ruppel (Dramaturgie), ZKM_Musikbalkon Mit: Irm Hermann, Jessica Higgins, Klaus Brömmelmeier, Jodoc Seidel | Regie: Claude Pierre Salmony | Komposition: Giovanni di Stefano | Produktion: SRF 2015 | Länge: 56’55’’ Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Jessica Higgins (Schauspielerin), Jens Nielsen (Autor) und Claude Pierre Salmony (Regie und Redaktion), ZKM_Musikbalkon Donnerstag, 10. November 14 Uhr �� ZKM_Kubus Pan Familia „Der letzte Gedanke im Leben meines Vaters muss gewesen sein, dass sich die Currysauce im nächsten Moment von innen über die Windschutzscheibe verteilen würde. Dann explodierte der Airbag in sein Gesicht.“ Mutter und Tochter müssen warten, der freundliche Herr an der Rezeption hat sie noch nicht im System. Außerdem fehlt Papa. Aber es sieht gut aus: Der zerknautschte Wagen, irgendwo auf der A3, macht nicht den Eindruck, als ob da noch jemand lebend aussteigen würde. Endlich wird den beiden ein Wohnwagen in guter Lage zugewiesen. Überhaupt unterscheidet sich die Situation wenig vom geplanten Urlaub. Aber die Idylle trügt. In David Lindemanns erstem Originalhörspiel werden zu den Klängen eines Retro-Hippie Chors Positionen zur Willkommenskultur erörtert und seziert. Im linksliberalen Habitus vorgetragene Angstfantasien treffen auf die abstrakte Idee einer nicht reduzierbaren Offenheit jenes menschlichen Miteinanders, das wir Gesellschaft nennen. Der Vorbesitzer des himmlischen Campingplatzes, der das Setting dieser Diskursanordnung gibt, hat die Verantwortung schon lange an die Camper abgegeben. Was machen wir daraus? Mit: Charlotte Müller, Lilith Stangenberg, Anne Tismer, Andreas Schmidt, Hendrik Arnst, Michael Schiefel, Erik Leuthäuser, Lydia Schulz, Zola Mennenöh | Regie: David Lindemann | Musik: Martin Eichberg, Charlotte Müller, David Lindemann | Produktion: DKultur 2015 | Länge: 54’27’’ Nach der Jurydiskussion Frageforum mit David Lindemann (Autor, Regie und Musik) und Barbara Gerland (Dramaturgie und Redaktion), ZKM_Musikbalkon Donnerstag, 10. November 16 Uhr �� ZKM_Kubus Die Juden Lessings Stück „Die Juden“, ein „Lustspiel in einem Aufzuge“, geschrieben 1749, thematisiert Antisemitismus und das Verhalten einem „Fremden“ gegenüber. Neu und kühn ist, wie Lessing seine Hauptfigur zeichnet. Zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv gezeichneten Juden die Bretter des Welttheaters. Lessing schrieb das Stück mit 20, es gilt als Vorstufe und komisches Gegenstück zu „Nathan, der Weise“. Vor mehr als 260 Jahren geschrieben, berichtet das Stück von einer bitteren Tatsache: Dass Mittwoch, 9. November 20 Uhr �� ZKM_Kubus Wasserspiele – Der Kreuzfahrer/ Die Vorschwimmerin Ein Kreuzfahrerschiff, ein Schwimmbad – John von Düffels Geschichte spielt am und auf dem Wasser. Ein Vater muss lernen, dass seine Tochter ihm entwächst, zwei junge Frauen dekorieren wie stumme Fische den Pool eines Stararchitekten. Die Situation der Figuren scheint anfangs klar zu sein, doch dann gerät der Boden unter ihren Füßen zunehmend ins Wanken und Schwanken. Was früher galt, wird fortgespült. Der Deal mit dem bisherigen Leben, seinen abgestimmten Kompromissen, Sehnsüchten und illusionsverhangenen Hoffnungen löst sich auf, durch alle Poren kriecht und sickert in kleinen Strudeln und mit leichtem Wellenschlag Verlorenheit. Mit: Werner Wölbern, Birte Schnöink, Eva Meckbach | Regie: Christiane Ohaus | Komposition: Michael Riessler | Produktion: RB/SR 2015 | Länge: 74’03’’ Nach der Jurydiskussion Frageforum mit John von Düffel (Autor), Christiane Ohaus (Regie) und Holger Rink (Dramaturgie), ZKM_Musikbalkon Donnerstag, 10. November 11 Uhr �� ZKM_Kubus Frau Higgins – Anstelle von Erinnerung Frau Higgins weiß manchmal nicht genau, ob sie Kinder hat oder nicht, und wie die heißen. Ist das Demenz oder Charakter? Vergisst sie oder verdrängt sie? Wenn sie auftritt, zeigt sie jedenfalls einen Verdrängungsgrad, der alle anderen an die Wand drückt. Ben, der Butler, muss es dann richten. „Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind …“, sagt Shakespeare. Und wenn dann auch noch das Gedächtnis nachlässt, ist der Stoff nicht mehr unbedingt reißfest, wie der Schweizer Autor Jens Nielsen in seinem neuesten Hörspiel vorführt, in dem sich alles, aber auch wirklich alles als fraglich erweist. Frau Higgins, zum Beispiel, residiert in ihrer Villa. Ist es ihre Villa? Ist es überhaupt eine Villa? Ben, der Butler, scheint mehr zu wissen, schweigt aber. Ist er überhaupt ein Butler? Oder ist er ein Engel, Erzengel, Erzbutler? Constance, womöglich die Tochter, wird in einer Kiste angeliefert und wirbelt Staub auf, sekundiert von Herrn Lugano Seiler, ihrem Lover. Oder ist er Mutters Lover? Fotonachweise: J. von Düffel © S. Simon/Imago, J. Nielsen © G. von Arb, D. Lindemann © privat, L. Koppelmann © privat, R. Wilson © U. Ruppel


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