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18 WEIHNACHTEN MIT KUNST AUS HOLZ ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG Ein Scheibchen – ein Schwein! Die Technik des Reifendrehens wurde im Erzgebirge entwickelt, um eine rationelle Massenproduktion von Holzfiguren zu ermöglichen. Foto: lep Tiere in Scheiben Technik des Reifendrehens wurde im Erzgebirge entwickelt Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr wünscht Ihnen Familie Frey und das Team vom Sanitätshaus Stähle, Reha Point und der Wäschebox. Rollstühle · Hilfsmittel · Krankenbetten Sanitätshaus Stähle und Wäschebox - Bleichstraße 4, 75173 Pforzheim, Tel.: 07231/23663, Reha Point - Erbprinzenstraße 104a, Pforzheim, Tel.: 07231/357070 INFO Wer Interesse hat, einem Reifendreher einmal über die Schulter zu schauen, kann das in Seiffen tun, nämlich bei der dortigen Schauwerkstatt des Reifendrehwerks Christian Werner, An der Binge 5. Unseren Kunden wünschen wir ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr. Für das entgegengebrachte Vertrauen möchten wir uns recht herzlich bedanken. nen Regionen Mitteleuropas mit der Hand geschnitzt worden, wobei zunächst die Grundform durch Aussägen, Hacken oder Spalten entstand, gefolgt vom aufwändigen Schnitzprozess. Während man damals mit Hilfe der Wasserkraft Figuren, Pyramidenteile, mechanisches Spielzeug und anderes drechseln konnte, war es kaum möglich, Tiere aus gedrechselten Einzelteilen herzustellen. Deshalb stellte die Erfindung des Reifendrehens in Seiffen eine kleine Sensation dar. Jetzt war es möglich, Tiere aller Art recht schnell und in großer Menge herzustellen. In Seiffen und Umgebung setzte Ende des 19. Jahrhunderts eine geradezu „industrielle“ Massenfertigung der nach Millionen Stück zu zählenden Reifentieren Es gilt als weltweit einzigartiges Kunsthandwerk, sein Grundstein wurde um 1800 im Erzgebirge im Raum Seiffen gelegt und es wird heute nur noch von einigen wenigen einheimischen Drechslern beherrscht und ausgeübt. Die Rede ist vom Reifendreher-Handwerk. Dieses besondere Handwerk ist eine spezielle Form der erzgebirgischen Spielzeuganfertigung, die nur in dem berühmten Spielzeugdorf Seiffen und dessen Umgebung beheimatet ist. KEIN ERZ MEHR IM GEBIRGE Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde im Erzgebirge die Ausbeute an Silber und Zinn immer schlechter. In den darauffolgenden zwei Jahrhunderten flaute der Erzabbau dann immer mehr ab und versiegte schließlich ganz. Die Bergleute, die ihre Arbeit im Stollen verloren hatten, mussten notgedrungen nach neuen Erwerbszweigen suchen. Viele von ihnen hatten in ihrer Freizeit schon geschnitzt, gehobelt, gedrechselt oder anderweitig Holz bearbeitet, nun machten sie ihr Hobby zum Beruf und schufen Gebrauchsgegenstände, Weihnachtsfiguren, Kinderspielzeug und vieles mehr. Das war die Geburtsstunde der erzgebirgischen Volks- und Holzkunst, die auch das Handwerk des Reifendrehens mit hervorbrachte. Die kunstvolle Holzbearbeitung wurde Erwerbszweig ganzer Familien, die sich mit der Herstellung von Spielzeug und von Figuren wie Lichterengel, Nussknacker, Räuchermann oder von Gebilden wie Schwibbogen und Pyramide beschäftigten. Hinzu kamen das Klöppeln, das Posamentieren sowie andere Handwerke, beispielsweise das Glasblasen, Kunstschmieden und die Räucherkerzenherstellung. Die Technik des Reifen- oder Spaltringdrehens wurde entwickelt, um eine rationelle Massenproduktion von Holzfiguren zu ermöglichen. Bis dahin waren die Spielzeugfiguren und -tiere überall in den verschiededen Preis drückte. Unter dieser Preisdrückerei litten die Herstellerfamilien massiv. Zwar wird die Erfindung des Reifendrehens auf 1800 datiert, doch dürften die Wurzeln des Seiffener Reifendrehens schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu finden sein. Es wird vermutet, dass die in der Nähe gelegene Heidelbacher Glashütte zur Herstellung von Hohlgläsern, die in Form und Maßhaltigkeit gewissen Normen entsprechen mussten, gedrechselte Holzformen benötigte. Die wiederum lieferten die Drechsler aus Seiffen. Wahrscheinlich haben diese gedrechselten Formen auch Pate gestanden für die Tierreifen. BLICK IN DIE WERKSTATT Die Reifendreher benötigen zum Fertigstellen der Tiere eine vom Fichtenstamm geschnittene, nasse Holzscheibe. Nach dem Entfernen der Rinde wird sie in eine spezielle Drehbank eingespannt und dann mit Hilfe von Drechseleisen so bearbeitet, dass ein Holzring mit einem Durchmesser von etwa 30 bis 50 Zentimetern entsteht, der im Querschnitt die Kontur der gewünschten Figur besitzt. Anschließend werden von dem Ring – so wie beim Brot – mit einem scharfen Messer und einem Hammer kleine „Scheiben“ abgespalten. Tausende kleine Schafe, Pferde, Ziegen, Kühe, Katzen und Hunde erblicken so das Licht der Spielzeugwelt. Die abgespaltenen 40 bis 60 Teile werden jetzt in Wasser gekocht. Nass schnitzt sich’s besser. Dann werden die Figuren getrocknet und bemalt. Übrigens: Beim Drehvorgang kann der Reifendreher das jeweilige Profil noch nicht sehen. Erst nach dem Aufspalten des Ringes wird in seinem Querschnitt die beabsichtigte Gestalt sicht- und überprüfbar. Reifendrehen verlangt daher neben einiger körperlicher Kraft, handwerkliches Können, feines Formgefühl und ein hohes Maß an Vorstellungsvermögen und Augenmaß. Bernd Lepsy ein. Vielfalt und Art der Ausführung reifengedrehter Erzeugnisse kannten keine Grenzen. Das kam den Spielzeugverlegern sehr gelegen. Die kauften in den fürs Reifendrehen bekannt gewordenen Dörfern Seiffen, Deutschneudorf und Deutscheinsiedel ihre Sortimente vornehmlich billig zusammen, um dann auf den Messen in Nürnberg und Leipzig stolz „ihre“ Schätze zu vermarkten. Das billigere Produzieren der Spielzeugtiere durch das Reifendrehen war nur ein Grund, weshalb die Ware aus dem Erzgebirge sich gegen andere Spielzeughersteller und -lieferanten durchsetzen konnte. Zum Malen und Sortieren wurden die Kinder in den Familien mit herangezogen, was


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