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14 WEIHNACHTEN MIT GEFÜLLTEM TELLER ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG Von Heines Protest zum Pappteller Dichter beklagte Bücherseiten als Verpackungsmaterial / Buchbinder prägte hygienische Teller aus Holzschliffmaterial Auch bei dieser Familie gilt: Kein Weihnachten ohne Weihnachtsteller, ob aus Pappe, Porzellan oder Plastik. Traditionell wird er mit Obst, Nüssen, Schokolade und Weihnachtsgebäck gefüllt. ������ schriebener Makulatur hergestellt waren. Zwar war schon seit 1774 dank einer Erfindung des Göttinger Gelehrten Julius Claproth bekannt, dass man aus altem Papier wieder neues und die Druckfarbe völlig herauswaschen kann. Ein entsprechendes Verfahren ließ sich der Engländer Mathias Koops 1800 patentieren. Aber manchmal mahlen Mühlen eben langsam, in diesem Falle die Papiermühlen. Wie langsam sieht man auch daran, dass erst 1881 die Schutzvereine der Papierindustrie und des Papier- und Schreibwarenhandels zusammen mit dem Verein deutscher Papierfabrikanten eine Petition an das Kaiserliche Gesundheitsamt mit der Bitte richteten, worin sie um gesetzliche Maßnahmen gegen die „ekelerregende und gesundheitswidrige Unsitte“ des Einwickelns von Esswaren in gebrauchtes, bedrucktes und beschriebenes Papier baten. Ein Jahr später erließ der Gothaer Stadtrat eine Polizeiverordnung, 13.12. 09.30 Uhr Elsässer Weihnachtsmarkt in Colmar € 25,– 15.12. 09.00 Uhr Weihnachtliche Lichter in Montbeliard/Elsass inkl. Stadtführung € 36,– 16.12. 12.30 Uhr Geburtstagsfahrt von Rolf Ungericht inkl. Abendessen € 30,– 17.12. 08.00 Uhr Weihnachtsmarkt in Kaysersberg und Chocolaterie Maitre Stoffel € 29,– 07.01. 15.45 Uhr Trompeten/Orgelkonzert in der Peterskirche Weilheim/Teck € 40,– * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * ** * * * * * * * * * * * 08.01. 2 Tage REISEFUCHS-Reisetreffen mit Programmvorstellung 2017 inkl. Erzgebirgsabend mit den Bimmelbahnmusikanten Superpreis € 66,– 23.01. 4 Tage „Grüne Woche“ in Berlin inkl. 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Allerdings war es zu dieser Zeit schon leichter, diesen berechtigten Forderungen nachzukommen, denn der Wandel in der Papierproduktion durch die neue Rohstoffquelle anstelle der klassischen Lumpen sowie die Fortschritte im Maschinenbau ermöglichten es, ordentliches Papier in ausreichender Menge herzustellen. Das geschah auf der Grundlage der 1843/44 von Friedrich Gottlob Keller entwickelten Holzschliffme- Kein Geringerer als der Dichter Heinrich Heine klagte anno 1855 in seinem Entwurf zur Vorrede des Buches „Lutetia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben“: „Und ach! Mein Buch der Lieder wird der Krautkrämer zu Tüten verwenden, um Kaffee oder Schnupftabak darin zu schütten für die alten Weiber der Zukunft“. Er wetterte als Zeitgenosse gewaltiger gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Umwälzungen im 19. Jahrhundert damit gegen die Unkultur, die er mit linken Gesellschaftstheorien, die der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit im Zeitalter der industriellen Revolution abhelfen sollten, heraufziehen sah. Dass Heine dabei die Allegorie, Bücher zu Tüten umzufunktionieren, benutzte, passt genau in diese Zeit. Und nicht nur in diese, auch in den Jahrhunderten davor war es infolge chronischen Papiermangels gang und gäbe, Bücher in Verpackungsmaterial umzuwandeln. Da gab es Kaufleute, die oft ganze Büchersammlungen aufkauften, um sie zum Tütendrehen zu verwenden, da wurden selbst Klosterbibliotheken wie beispielsweise die im westfälischen Bödeken nicht verschont und geschleift. Aus wertvollen Pergamentcodices schnitten Bauern dort Schuhsohlen und falteten Tüten. Die Hygiene lässt grüßen, würden wir heute sagen, doch noch im 19. Jahrhundert war es allgemein üblich, zum Verpacken von Nahrungsmitteln auch Tüten zu verwenden, die aus bedruckter oder handbesammenarbeit mit einem Leipziger Hersteller wurde später eine geeignetere Prägepresse gebaut. 1867 ließ sich Hermann Henschel seine Erfindung weltweit patentieren. Aus der Buchbinder-Werkstatt Henschel entwickelte sich eine Papierwarenfabrik für Tüten, Beutel und Pappteller. Sie eigneten und eignen sich noch heute hervorragend als Unterlage für Lebensmittel wie Bock- oder Currywurst, für „Fish and Chips“ ebenso wie für Sahnebaisers und Windbeutel. Wie dieser farblose, quasi nackte Pappteller zum bebilderten Weihnachtsteller wurde, dieses Geheimnis hat man bis heute noch nicht vollends lüften können. Immerhin ist so viel bekannt, dass seine Erfolgsgeschichte in den 1920er Jahren begann, denn da tauchte erstmals der Begriff „Weihnachtsteller“ in Adressbüchern auf. Vielleicht ging sein Stern auch zu Ende des 19. Jahrhunderts auf, macht doch 1886 ein Prospekt für einen „Teller für Confect“ aus Pappe Reklame. Fest steht: In der Folge haben sich unzählige Grafikerund Malergenerationen um die Optik für den Weihnachtsteller aus Pappe bemüht. Text / Fotos: Bernd Lepsy thode, die ab 1860 der Papierindustrie enormen Schub verlieh. DER „SAUBERE“ PAPPTELLER Parallel dazu verschafften sich Wissenschaftler und Mediziner Gehör in Sachen Hygiene. So erbrachte Robert Koch 1878 den Ursachennachweis von Infektionskrankheiten und stellte sie in den Zusammenhang mit Hygienemangel im öffentlichen und privaten Bereich. Eine medizinische Abhandlung eines Arztes über das „unhygienische Abpacken von Lebensmitteln in Zeitungspapier“ soll den Buchbindermeister Hermann Traugott Henschel (1843 – 1918) aus Luckenwalde, 50 Kilometer südlich von Berlin, Mitte der 1860er Jahre angeregt haben, Pappteller aus Holzschliffmaterial herzustellen. Auf der Suche nach einer sauberen Lösung stützte er sich auf die Holzschliffmethode von Keller. Die Herstellung dieser Pappteller war lange Zeit nur in einem aufwändigen Verfahren auf einer gewöhnlichen Buchbinderpresse möglich. Dabei wurden die Pappteller in einer Messingform gepresst und geprägt. In Zu-


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