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8 KIRCHEN ZEITUNG 22. Ausgabe | 25. November 2016 Beruf und Berufung Die Musik als Ausdruck des eigenen Glaubens / Die Kantoren Johannes Blomenkamp und Patrick Fritz-Benzing im Gespräch über ihre Arbeit Das Singen von geistlicher Musik ist eine Möglichkeit, den eigenen Glauben zum Ausdruck zu bringen: Davon sind die beiden Kantoren Johannes Blomenkamp und Patrick Fritz-Benzing (von links) überzeugt. Foto: tt Benzing. Den Chor gebe es seit 50 Jahren, und die ältere Generation habe ihn durch ihr Engagement mit Leben gefüllt, führt er weiter aus. Die Orgel begeistert viele Menschen Und auch die Orgelmusik übt eine große Faszination auf die Menschen aus, wissen die beiden Fachleute. „Zu Beginn und während der Gottesdienste ertönt die Orgel, und mit ihrem Klang endet auch der Gottesdienst“, sagen Blomenkamp und Fritz-Benzing. Das große Instrument strahle etwas Besonderes aus, die riesige Dimension begeistere viele Menschen. „Orgelfans sind ähnlich wie Anhänger von Dampfloks, sie interessieren sich für die Technik und die Details“, lacht Fritz-Benzing. Auch der große Erfolg der „Karlsruher Orgelspaziergänge“, zu denen seit vielen Jahren eingeladen wird, sei ein Beleg dafür. „Wir hatten auch schon einmal die Idee zu Projekttagen in der Kirche für Schulen, um über dieses Instrument zu informieren“, überlegt Johannes Blomenkamp. Wer Interesse am Orgelspiel habe, könne sich gerne melden, laden beide Kantoren ein. „Wir bieten die Ausbildung zum ehrenamtlichen Organisten an und unterrichten in Mu- Kirchenmusik, das ist für sie nicht nur ihr Beruf sondern auch Berufung. Johannes Blomenkamp ist Bezirkskantor der Evangelischen Kirche in Karlsruhe und Patrick Fritz-Benzing Bezirkskantor an der Katholischen Stadtkirche St. Stephan. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen begeistern mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit und leiten Chöre, in denen Menschen aller Altersklassen singen und musizieren. „Wenn man singen will, bietet sich die Kirche mit ihren Chören an. Das Niveau ist hoch, und es gibt ein großes Repertoire hier in Karlsruhe“, sagt Patrick Fritz-Benzing. Und dazu kämen die Räume, ergänzt Blomenkamp. „Wo wir singen, proben und auftreten, ist es festlich, das ist anders als in einer Halle. Wir haben hier etwas zu bieten“, so der Kantor. Die Menschen seien oftmals auch emotional mit den kirchlichen Räumen verbunden. „In unseren Gemeindehäusern und Kirchen proben seit Jahrzehnten und manchmal auch länger Chöre“, erklärt Johannes Blomenkamp. Im Vorfeld der „Nacht der Chöre“, die in diesem Jahr in der Christuskirche stattfand, hat der KIT-Chor im Gottesdienst in der Durlacher Stadtkirche gesungen. Die Musik geht zu Herzen Ob das Singen von geistlicher Musik eine Möglichkeit für den Ausdruck des eigenen Glaubens ist? „Ja“, sind sich beide einig. „Die Musik und die Texte gehen zu Herzen, zum Beispiel das Brahms-Requiem und die Matthäus-Passion“, erklärt Patrick Fritz-Benzing. Und an Nachwuchs fehlt es in den Chören nie. „Die Gesellschaft singt gern und in letzter Zeit wieder mehr“, weiß Johannes Blomenkamp. Chorneugründungen auf verschiedenen Niveaus seien sehr attraktiv. „Wenn ein Chor ambitioniert ist und auf hohem Niveau arbeitet, dann begeistert das auch junge Menschen, und sie möchten singen“, ergänzt Fritz-Benzing. Auch den Gemeinden selbst sei die Musik sehr wichtig, und sie investieren in die Arbeit vor Ort. Hier in der Stadt könnten sich Sangesbegeisterte etwas aussuchen, es gebe auch viele Kinderchöre. „Ich erinnere mich an die Neugründung der ,spirited voices‘, den Gospelund Jazzchor der Evangelischen Kirche in Karlsruhe vor mehr als neun Jahren. Insgesamt 100 Sängerinnen und Sänger kamen zum Vorsingen – 30 Chormitglieder wurden ausgesucht“, macht Blomenkamp deutlich. Und wenn dann das richtige Angebot gefunden sei, dann blieben die Musikbegeisterten ihren Chören treu. „Das schätze ich auch am Chor in St. Stephan, der 80 bis 90 Mitglieder hat. Viele sind seit über zehn Jahren mit dabei“, erklärt Patrick Fritzgen Atem, den man brauche, um etwa ein Requiem oder eine h-Moll Messe einzustudieren. „Ja, diese Proben können ein dreiviertel Jahr dauern, Druck wird aufgebaut, Ehrgeiz wird entwickelt, und dann wird ein einstündiges Programm aufgeführt, bei dem es keine Korrektur gibt, und das Ergebnis ist toll“, weiß Fritz- Benzing aus Erfahrung. Die Musik sei für sie auch ein Ausdruck des eigenen Glaubens und auch ein Zugang dazu. „Das ist bei mir schon seit der Schulzeit so“, sagt Johannes Blomenkamp. Sein Kollege hat sich seit dem Jugendalter mit dem „klingenden Wort“ beschäftigt, und er hat so zum Glauben gefunden. „Das gelang bei mir durch die Musik eher als durch den Gottesdienst“, sagt Patrick Fritz-Benzing. cm / tt siktheorie, Gehörbildung, Improvisation, Liturgie sowie Stimmbildung und Dirigieren“, erklärt Patrick Fritz-Benzing. Wer beruflich als Organist und Kantor tätig sein wolle, habe momentan sehr gute Chancen. „Die Nachfrage ist groß, weil demnächst viele in den Ruhestand gehen“, sagt Blomenkamp. Sehr dankbar sind die beiden Kantoren auch für die vielen neben- und ehrenamtlich tätigen Kirchenmusiker in der Stadt, die durch ihr Engagement die Pfarrgemeinden und das Gemeindeleben unterstützen. Viel Engagement von Ehrenamtlichen Sie lieben ihren Beruf, das stellen Patrick Fritz-Benzing und Johannes Blomenkamp immer wieder fest. „Für mich bringt die Musik alles andere mit sich, sie gibt mir Antrieb, ich sehe Sinn darin“, fasst Fritz-Benzing zusammen. Manchmal spiele er gerne Orgel, ein anderes Mal stehe er lieber vor dem Chor oder singe selbst in einem Ensemble mit. „Es ist toll, so phantastische Musik mit ,Laien‘ einzustudieren und zu singen“, bringt es Blomenkamp auf den Punkt. Und er kriege ganz viel zurück: das Strahlen der Menschen, die zusammen Musik machen, den lan- Informationen zur Kirchenmusik der Evangelischen und Katholischen Kirche in Karlsruhe und ihren Angeboten finden Sie unter www.kirchenmusikkarlsruhe. de und http://stephanschor ka.de Info


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