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24 KIRCHEN ZEITUNG 22. Ausgabe | 25. November 2016 Die Fremden lieben, wie uns selbst … Die Abteilung Migration und Integration im Diakonischen Werk Karlsruhe hilft Geflüchteten, gut bei uns anzukommen Die Abteilung Migration und Integration im Diakonischen Werk Karlsruhe: Magdalene Leytz, Elisabeth Deutscher, Laura Mössinger, Anita Beneta (Leitung) und Dominique Kirchgässner (von links). Fotos: Judith Weidermann 3 Fragen an Diakonin Annette Weiß, … … Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration chen werden, ebenso wie alle übrigen Karlsruher Bürger. Es sind Angebote für Interkulturelles Training geplant, Frauenabende und eine Veranstaltungsreihe zum gesellschaftlichen Frieden. Die Fragen stellte Judith Weidermann Kontakt: Annette Weiß, Telefon 07 21 / 82 46 73 12, annette.weiss@kbz.ekiba.de �� Wie sind Sie in das Konzept des Evangelischen Migrations Centrums eingebunden? Das Migrations Centrum ist ein Kooperationsprojekt von Diakonischem Werk, Evangelischer Kirche, den Refugee & Migrant Ministries Karlsruhe und dem Forum evangelischer Freikirchen. Es wird von einem Leitungsteam aufgebaut und entwickelt, das von Seiten der Landeskirche aus mir und von Seiten der Freikirchen aus je einer entsprechend abgeordneten Person besteht. Wir planen Gesprächsabende mit supervisorischer Begleitung, Fach- und Studientage, aber auch Freizeitangebote wie Sport oder Kochen. Auch Migranten, die schon viele Jahre hier leben, sollen angespro- Energie des Helfenwollens in unserer Gesellschaft zu bündeln und ihr eine Richtung zu geben. �� Was unterscheidet Ihre Arbeit von der Ihrer Kolleginnen und Kollegen in anderen Kirchenbezirken? Vor allem, dass es in Karlsruhe die Erstaufnahmeeinrichtung gibt und keine Anschlussunterbringungsverpflichtung besteht. Viele Geflüchtete bleiben hier für maximal sechs Monate. Kaum haben die Ehrenamtlichen Kontakte zu den Betreuten geknüpft, müssen sie sie schon wieder lösen. Beim Deutschlernen löst sich die Gruppe auf, kaum dass eine Basis gelegt werden konnte. Das ist für alle eine große menschliche Herausforderung. �� Was sind Ihre genauen Aufgaben im Stadtkirchenbezirk Karlsruhe? Ein Schwerpunkt ist die Unterstützung und Koordination der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit, sowie – neben meinen Kolleginnen von der Fachberatungsstelle – Ansprechpartnerin für die Gemeinden im Kirchenbezirk zu sein. Wenn zum Beispiel eine Gemeinde einen Helferkreis bilden möchte und nach Vorbildern und Beratung sucht, dann kann ich Kontakt zu anderen Gemeinden oder Einrichtungen mit bereits bestehenden entsprechenden Strukturen vermitteln. In dieser Hinsicht sehe ich mich in erster Linie als Vernetzungsstelle. Wichtig ist mir, gerade jetzt am Anfang die Diakonin Annette Weiß ber schwierig. Und dann gibt es in Deutschland sogenannte reglementierte Berufe wie Erzieher, Architekt oder Krankenpfleger, die man erst ausüben darf, wenn die Gleichwertigkeit mit dem entsprechenden deutschen Ausbildungsnachweis bestätigt wurde.“ Die Beraterinnen klären deshalb mit den Klienten individuell, ob ein Anerkennungsverfahren notwendig und sinnvoll ist, vermitteln den Kontakt zu den passenden Anerkennungs und Prüfungsstellen, unter- Nach Monaten zunehmender Flüchtlingsströme gehen die Zahlen der neu in Deutschland Ankommenden aktuell wieder zurück. War zunächst hauptsächlich schnelle Sofort-Hilfe gefragt, setzen Länder, Kommunen, Kirchen und Einrichtungen nun verstärkt auf nachhaltige Maßnahmen zur Integration wie die Vermittlung in dauerhaften Wohnraum oder in den Arbeitsmarkt, um den Geflüchteten ein gutes Ankommen in Deutschland zu ermöglichen. Im Diakonischen Werk Karlsruhe wurde deshalb vor rund einem Jahr die Abteilung „Migration und Integration“ geschaffen, in der Angebote für Flüchtlinge und Asylsuchende, aber auch für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gebündelt werden. Als Leiterin der Abteilung bekleidet Anita Beneta außerdem die Stabsstelle Migration im Diakonischen Werk und ist damit Hauptansprechpartnerin für Behörden, Ämter und Privatpersonen in fachpolitischen und Gesetzes Fragen zur Flüchtlingsarbeit. Arbeiten in Deutschland Im Arbeitsbereich „Beratung zur Anerkennung ausländischer Schul-, Berufs- oder Studienabschlüsse“ unterstützen Elisabeth Deutscher und Laura Mössinger Asylsuchende und Flüchtlinge in allen Fragen rund um ihre berufliche Qualifikation. „Hauptsächlich nehmen junge Männer Mitte 30, darunter viele Ingenieure, Ärzte oder studierte Geisteswissenschaftler, aber auch handwerklich ausgebildete Menschen unser Beratungsangebot wahr“, so Elisabeth Deutscher. „Häufig muss dabei zunächst ein deutscher Referenzberuf gesucht werden, denn die Ausbildungssysteme sind in den verschiedenen Ländern unterschiedlich strukturiert. Das macht auch die Einschätzung der Qualifikationen ausländischer Bewerber für Arbeitgebeitsstellen oder sogenannten Brücken und Qualifizierungsmaßnahmen. Außerdem wird ein Bewerbungshilfetraining angeboten. Das Projekt arbeitet dabei eng mit den regionalen Betrieben, der öffentlichen Verwaltung und den Arbeitsagenturen vor Ort zusammen. Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit Der zweite große Arbeitsbereich der Abteilung hat vor allem die gesellschaftliche Integration der Geflüchteten im Blick. Die Stellendeputate von Magdalene Leytz und Dominique Kirchgässner konnten mit Hilfe von Fördermitteln der badischen Landeskirche eingerichtet werden. Die beiden Sozialarbeiterinnen stehen in der „Fachberatungsstelle für Flüchtlinge“ hauptsächlich den Karlsruher Pfarrgemeinden beratend zur Seite, die Projekte, Strukturen und Angebote in der Flüchtlingsarbeit entwickeln wollen, sowie Männern und Frauen, die ehrenamtlich aktiv werden möchten. Dabei arbeiten sie eng mit Annette Weiß zusammen (s. Interview). Ehrenamtliche werden von ihnen qualifiziert und begleitet und erhalten ein Forum für ihre Arbeit – unter anderem im Evangelischen Migrations Centrum in Durlach. „Der ehrenamtliche Einsatz richtet sich zum einen nach den Stärken der Engagierten, aber natürlich auch nach dem aktuellen Bedarf“, berichten Magdalene Leytz und Dominique Kirchgässner. Der bestehe beispielsweise im Bereich Bewerbungstraining; vor allem aber auch in der Freizeit, etwa beim gemeinsamen Sporttreiben, komme dem ehrenamtlichen Engagement eine wichtige Rolle bei der Integration Geflüchteter und Asylsuchender zu. Judith Weidermann Infos und Kontakt: www.dw-karlsruhe.de stützen beim Ausfüllen von Anträgen und Sammeln der notwendigen Unterlagen und ermitteln Finanzierungsund Fördermöglichkeiten. Daneben ist die Abteilung Migration und Integration auch in das Kooperationsprojekt „Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge“ eingebunden. In diesem Rahmen unterstützt Laura Mössinger zusätzlich bei der nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt, z.B. beim Finden von Praktika, Ausbildungsplätzen, Ar-


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