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22. Ausgabe | 25. November 2016 KIRCHEN ZEITUNG 19 Aufklärung statt post-faktischer Beliebigkeit Die Fragen der Zeit im Theologischen Gesprächskreis des Bildungszentrums Karlsruhe gesetz!). Wo sie weltweit als Orientierungsrahmen für das ganze Leben des Einzelnen und der Gesellschaft verabsolutiert werden, werden sie zur Ersatzreligion. Und der „Götze Markt“ (Hugo Assmann / Franz Hinkelammert) zerstört das Leben der Einzelnen und der Gesellschaft wie jeder Abgott. Die kapitalistische Ideologie herrscht heute so universal, dass man verstehen kann, wenn die vielen Menschen, die deshalb um ihre Existenz fürchten müssen, sich politisch nicht mehr vertreten wissen – was destruktive Wahlentscheidungen in ihrer Verantwortungslosigkeit übrigens nicht entschuldigt. Die Bibel hat schon vor bald 3 000 Jahren gewusst, wie Kapitalisten denken: Auch am Sabbat wollen sie die Speicher öffnen und Getreide verkaufen Der Glaube der Bibel: Nie war er so wichtig wie heute, könnte man in Abwandlung eines bekannten Werbespruchs sagen. Denn in einer Zeit, die man „post-faktisch“ nennt, in der also große politische Entscheidungen wie der „Brexit“ und die Wahlen in den USA, in der überhaupt die verbreitete Konjunktur rechtsextremer Positionen und Gruppierungen nicht mehr rationalen Kriterien und Qualitätsstandards folgen, sondern einem schwer durchschaubaren Mutwillen, braucht es Orientierung. Und es bedarf des Glaubens der Bibel, der sich, manchem Vorurteil zum Trotz, von Anfang an auf Vernunft und rationale Kritik verpflichtet hat: Der christliche Glaube ist „die Option für die Priorität der Vernunft und des Vernünftigen“ (Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.). Allerdings gilt es, genau hinzusehen und zu unterscheiden. Denn nicht alles, was als vernünftig gilt, ist es auch: Vor allem die als „alternativlos“ ausgegebenen „Gesetze der Ökonomie“ mögen zwar gelten – im engen Binnenbereich der Wirtschaft und auch dort nur durch Gesetze und Regeln gebunden an das Gemeinwohl (vgl. Art. 14 Abs. 2 Grund- Donnerstagabend um 19.30 Uhr. Im laufenden Semester geht es um Weihnachten: Das Fest, das nach wie vor tiefe Sehnsüchte anrührt, führt mitten hinein in zentrale theologische Fragen nach Gott und dem Menschen – auch angesichts der Skepsis vieler Menschen hinsichtlich des Leids in der Welt. Das Buch „Krippengeflüster. Weihnachten zwischen Skepsis und Sehnsucht“ des Freiburger Fundamentaltheologen Magnus Striet dient als Leitfaden. Tobias Licht (Amos 8, 5) – Stichwort verkaufsoffene Sonntage … Und noch drastischer: Sie wollen „das Maß kleiner und den Preis größer machen … Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld.“ (Amos 8, 5.6) Biblische Rationalität entlarvt Lügen und falsche Alternativlosigkeiten; sie ist Gesellschaftskritik und Aufklärung. Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. geht noch einen Schritt weiter: „Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden und nicht mehr ihr Gegenspieler“. Der Theologische Gesprächskreis des Bildungszentrums Karlsruhe: ein Ort für die Vernunft des Glaubens Besonders die kirchliche Bildungsarbeit weiß sich dieser rationalen Grundsignatur des biblischen Glaubens verpflichtet. Im Theologischen Gesprächskreis des Bildungszentrums Karlsruhe (Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg) werden die großen Fragen des Lebens und des Glaubens auf dieser Grundlage diskutiert: jeweils einmal im Monat, immer am Informationen Theologischer Gesprächskreis „Krippengeflüster“: Weihnachten als Ringen um Gott und den Menschen – Zwischen Skepsis und Sehnsucht II Mit Pfrin. Kira Busch-Wagner, Ettlingen, und Dipl.-Theologe Tobias Licht Bildungszentrum Karlsruhe, Ständehausstraße 4 1. Dezember 2016, 5. Januar 2017 und 23. Februar 2017, jeweils 19.30 bis 21 Uhr


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