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22. Ausgabe | 25. November 2016 11 Mutzum Einfachen oder Kra ft derEinfachheit Jugendliche Christen aus aller Welt, die im Gebet zusammenfinden und das Gespräch mit Gott finden, die in einer großen Gemeinschaft miteinander Stille aushalten können und die gemeinsam Lieder in verschiedenen Sprachen singen. Was wie eine Fantasiemischung aus utopischer Kirchenvorstellung mit einer Prise Pfingstereignis anmutet, ist gelebter Alltag in der Gemeinschaft von Taizé. Der 1949 gegründete Männerorden beherbergt auf seinem Hügel im französischen Burgund bis zu sechstausend junge Menschen gleichzeitig, die nach Taizé pilgern um – wenn meist auch nur für eine knappe Woche – Teil dieser konfessionsübergreifenden christlichen Gemeinschaft zu sein. Viele der eingängigen meditativen Gesänge, die einen Großteil der Gottesdienste ausmachen, sind heute ebenfalls weltbekannt, z. B. „Laudate omnes gentes“ oder „Bless The Lord, My Soul“. Die meisten davon stammen aus den 70er-Jahren und wurden von dem Organisten und Komponisten Jacques Berthier verfasst. Er sah sich mit der Herausforderung konfrontiert, für junge Christen aus ganz unterschiedlichen Nationen musikalische Gebetsformen zu finden, bei denen alle aktiv teilhaben, also mitsingen, können. Das Effektive und Revolutionäre an seiner Antwort war die Bereitschaft, konsequent einfache, eingängige Melodien zu schreiben, die in erster Linie der Liturgie dienen und nicht darauf ausgerichtet sind, dem Komponisten möglichst viel Prestige für das Erschaffen großer Kunstwerke zu bescheren. Mit der Veröffentlichung des in Englisch gehaltenen „Jesus remember me“ (1979) wurde das bis dahin lateinische Grundgerüst der Ostinati auch auf andere Sprachen übertragen. Lieder wie „Mon âme se repose“, „Nada te turbe“ und „Bleib mit deiner Gnade bei uns“ bildeten den Ausgangspunkt für die Entwicklung des umfangreichen Repertoires, zu dessen Autorenpool heute neben Berthier noch weitere Personen – wie etwa der Jesuitenpater Joseph Gelineau mit „Ubi caritas“ und einzelne Brüder des Ordens – zählen. Das viel gesungene „Taizé-Halleluja“ wurde übrigens nicht in Taizé verfasst und ist dort auch nur sehr selten Teil der Liturgie. Die Faszination, die die Gemeinschaft von Taizé in ihrem Miteinander und ihrer Form, Gottesdienst zu feiern, auf Jugendliche und junge Erwachsene ausübt, kann man mit einem ausschließlichen Blick auf die musikalische Gestaltung noch nicht hinreichend vermitteln. Wichtige Bestandteile sind auch die Wechselwirkung mit Zeiten der kollektiven Stille, das Symbol aneinander in der Kirche angezündeter Kerzen und die Botschaften von Versöhnung zwischen den Menschen, die in ihrem Zusammenspiel die besondere Stimmung ausmachen und die Begegnung mit Gott einfach machen. Ohne jemals einen Gottesdienst in der „Kirche der Versöhnung“ miterlebt zu haben, könnte man als Außenstehender schnell den Eindruck gewinnen, die Lieder seien meist schnell durchschaubar und würden jenseits der vierten Wiederholung – die Taizé-Gesänge werden mindestens sieben Mal, häufig deutlich öfter, wiederholt – gar die Gefahr einer aufkommenden Langeweile oder Abnutzung bergen. Tatsächlich kann man beim Singen der Kanons und Ostinati verschiedene Phasen betrachten: Je nach Bekanntheitsgrad des Liedes versucht man in den ersten drei bis fünf Wiederholungen die Melodie zu lernen, den Text zu verstehen, sich einzuprägen und mit der Melodie zusammenzubringen. Danach kann man sich dabei ertappen, wie man ein paar Wiederholungen automatisch mitgesungen hat und seine Gedanken zu etwas ganz anderem hat schweifen lassen. In einer dritten Phase des Gesangs kehrt der Text zurück. Die Bedeutung des Textes wird auf tiefe Art und Weise klar, das Lied wird kontemplatives Gebet. Von Langeweile und Abnutzung ist keine Spur, denn die Gesänge verfolgen nicht den Sinn einer kurzweiligen Unterhaltung, sondern müssen ausreichend Zeit bieten, ihre Wirkung entfalten zu können. Dieses Ziel sollte man sich auch immer wieder bewusst machen, wenn man in der Heimatgemeinde Gebetszeiten mit Gesängen aus Taizé veranstaltet. Somit transportiert die Musik der Bruderschaft von Taizé für uns Christen eine konfessionsunabhängige, erstrebenswerte Haltung von bleibender Aktualität: Jedem Menschen, der zum gemeinsamen Gebet bereit ist, in offener Haltung, Gebets- und Beteiligungsform die Zusage zu machen: Du gehörst zu dieser Gemeinde dazu. Daniel Pabst Jugendliche Christen aus aller Welt kommen zum gemeinsamen Gebet in Taizé zusammen. Foto: Sabine Leutenegger MusikinmeinemLeben Schon seit vielen Jahren spiele ich Klarinette im Orchester, und obwohl ich nie im Chor Mitglied war, macht mir Singen großen Spaß. Musik bedeutet mir viel. Sie kann Gefühle wecken und ausdrücken, aber auch trösten oder glücklich machen. Musik zu hören ist manchmal so, als ob man in eine andere Welt eintauchen würde, und je nachdem vermag sie es auch, ein Prickeln oder einen wohligen Schauer zu erzeugen. Mit Musik kann man vieles ausdrücken, was auf andere Weise oft schwer zu verdeutlichen ist. Rhythmik, Dynamik, Themen und Motive – Musik ist vielseitig, vielschichtig und kann ihre Gestalt innerhalb von Sekunden verändern – und genau das macht sie so wichtig in meinem Leben. Im Orchester gleicht das Musizieren oft einer Herausforderung, da man manchmal lange üben muss, um ein Stück richtig spielen zu können. Aber in der Kirche und im Gottesdienst erlebe ich Musik als Segen, als Trost, als Ruhepol, der mir hilft, die Anstrengungen und Sorgen des Alltags zu vergessen und einmal ganz leise und still zu werden. Hanna Hutschreuther, Schülerin des Dominikus-Gymnasiums Hanna Hutschreuther spielt seit Jahren Klarinette. Musik bedeutet ihr viel. Foto: Privat


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