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NACHBARSCHAFTSHILFE IN GANZ GROSSEM STIL Die Share Economy wirft neue rechtliche Fragen auf / Arbeitsrechtsexperte Professor Peter Wedde sieht die Vermittlung von Dienstleistungen im großen Rahmen kritisch nen Freund und übernachtete bei ihm. Ging etwas bei diesem Besuch zu Bruch, regelte man das unter Umständen privatrechtlich, im besten Fall natürlich ohne Gericht unter Freunden. Zahlreiche Plattformen im Internet ermöglichen es mittlerweile, sich Zimmer vermitteln zu lassen, von privat zu privat. Und das kann Probleme bereiten, denn die Internetplattform ist kommerziell, besitzt die Zimmer aber nicht, die sie vermittelt. „Diese Unternehmen haben das Couchsurfing-Prinzip übernommen, es aber auf ein neues Niveau gehoben“, sagt Professor Peter Wedde, Professor für Arbeitsrecht und Recht der Informationsgesellschaft an der Frankfurt University of Applied Sciences. Wedde, der das Prinzip der Share Economy eigentlich schätzt, führt Beispiele an, bei denen eine Zimmervermittlung von privat zu privat über eine kommerzielle Plattform problematisch werden könnte: „Was ist, wenn man in der Wohnung des Gastgebers über einen losen Teppich stolpert oder sich an einer unsicheren Treppenstufe verletzt? Der Anbieter kann sich auf den Standpunkt zurückziehen, lediglich als Vermittler aufgetreten zu sein. Den Schaden hat dann der Gastgeber“, verdeutlicht Wedde die Problematik. „Hier wird das Risiko auf andere verlagert. REGELUNGEN NOCH GESUCHT Rechtlich nicht problemlos könnte auch der Fahrdienst Uber sein. Wedde erklärt: „Viele Uber-Fahrer arbeiten selbstständig – ohne Absicherung, die ein Festangestellter genießt. Außerdem behält sich Uber teilweise das Recht vor, den Fahrern, die nicht deren Kriterien erfüllen, keine Fahrten mehr anzubieten.“ Für den Chauffeur könne das existenzbedrohend sein. Unwägbarkeiten birgt ebenfalls die Cloud-Working Branche. Freie Mitarbeiter übernehmen dabei Aufträge, die von einem Vermittler im Auftrag eines größeren Unternehmens vergeben werden. „Häufig weiß man als Cloud Worker nicht, wer der Auftraggeber ist. Und wenn der dann unzufrieden mit der Arbeit ist, zahlt er unter Umständen nicht“, so Professor Wedde. Der Rechtsexperte geht jedoch davon aus, dass sich in den kommenden Jahren die Situation einspielen wird. „Uber oder andere Anbieter werden nicht verschwinden. Aber es führt kein Weg daran vorbei, dass auch diese Firmen dann als das eingestuft werden, was sie sind: „Als Arbeitgeber der für sie tätigen Personen mit allen Verpflichtungen, die dazu gehören.“ Wedde betont, nicht die Share Economy als solche verteufeln zu wollen. „Es ist immer noch eine reizvolle Idee, Ressourcen zu teilen. Auf kleinerem Niveau funktioniert das auch sehr gut.“ Er fürchtet jedoch, dass der gute Name der Share Economy durch Gewinndenken größerer Unternehmen diskreditiert wird. Dann müsste man sich wieder auf Gartenzaun-Leihe beschränken, was aber doch schade wäre. kel Im Freundeskreis war es damals noch einfach: die Share Economy war gelebter Alltag. Der Nachbar leiht das Wochenende über die Schlagbohrmaschine, dafür ist es kein Problem, sich ein anderes Mal die Heckenschere zu borgen. Es war schlicht Kommunikation über den Gartenzaun hinweg. Und wer nach einem Quartier in einer fremden Stadt suchte, schaut sich nach einem Hotel um. Oder man kannte ei- Hotel oder ein privates Zimmer für den Städtetrip? Online gibt es die große Auswahl, für jeden Geschmack. Foto: Fotolia/phanuwatnandee Fahrer bei privaten Taxi-Vermittlern sind häufig weniger gut abgesichert. Foto: idprod/Fotolia EINE PLATTFORM FÜR FREIES UND NATURNAHES ZELTEN Zu den fünf besten von über 60 Einreichungen zu gehören, hat die beiden Gründer von Sharewood- Forest sehr gefreut. „Unsere Gefühle bewegten sich irgendwo zwischen Euphorie und Verantwortungsdruck“, erzählt Florian Hawlitschek. „Auf der einen Seite war unsere Freude riesig, auf der anderen Seite sahen wir uns verpflichtet, jetzt zu liefern.“ Seit Anfang Juni halten die beiden ein offizielles Rechtsgutachten in den Händen, das die juristische Unbedenklichkeit bescheinigt. Das Marketing kann anlaufen. „Jetzt wünschen wir uns ganz viele idealistische Landpaten“, formuliert Hawlitschek die Hoffnungen des Gründerduos. Im Laufe des Sommers soll die Webseite fertig sein. WEBSEITE www.sharewood-forest.de oef Ab in die Wälder. Die Gründer von Sharewood-Forest Dr. Tobias Kranz (li.) und Florian Hawlitschek wollen Liebhaber des Zeltens in freier Natur mit Grundstücksbesitzern zusammenführen. Foto: oef Sharewood-Forest: Gewinner beim Wettbewerb „Share Economy – Impulsgeber des digitalen Wandels“ oder Schweden darf man vielerorts wild zelten“, erzählt er. „In Deutschland nicht. Darauf basiert unsere Idee.“ Mit Hilfe einer kostenlos zugänglichen Sharing-Plattform, die private, zumeist Waldgrundstücke für wildes und naturnahes Zelten vermitteln will, sollen Grundstücksbesitzer und Outdoorfans zusammenfinden. Sharewood-Forest – jetzt wissen wir, wie es zum Namen kam. Kommt die Vermittlung zustande, erhält der Nutzer die genauen Koordinaten des Zeltplatzes. Konsequent der Ursprungsidee des Prinzips der Share Economy, also der Kultur des idealistischen und altruistischen Teilens, verpflichtet, haben die beiden Gründer auch keine klassische Firma gegründet, sondern außergewöhnlicher Weise einen Verein. „Wir möchten mit Sharewood Forest nicht unseren Lebensunterhalt verdienen, sondern unsere Leidenschaft für die Natur teilen“, sagt Dr. Kranz. „Ein Verein bedeutet Rechtssicherheit und ist offen für weitere Mitglieder.“ Vereinsbeitrag wird keiner erhoben, Spenden sind erwünscht und über eine mögliche Gemeinnützigkeit wird auch schon nachgedacht. Nein, verflixt … Die Suchmaschine im Netz will nicht. Sie beharrt auf Sherwood Forest, immer wieder Sherwood Forest – der bekannte Landschaftspark in Großbritannien, Heimat von Robin Hood. Unser Ziel ist aber Sharewood- Forest. Das kleine Karlsruher Startup, das erst vor kurzem seine Gründungsschuhe angezogen hat, feiert gleich zu Beginn seines Daseins einen riesigen Erfolg. Sharewood- Forest wurde neben vier weiteren Start-ups zum Sieger des landesweiten Wettbewerbs von shareBW gekürt. Mit eigentlich nichts, außer dem wirklich fantasievoll ausgedachten Namen, einer wahrlich außergewöhnlichen Idee und einem konsequent ausgedachten Plan. Der Grundgedanke: Das Zelten in Deutschlands freier Natur zu ermöglichen, mit Mitteln der Share Economy. Die beiden naturliebenden Väter dieser originellen Idee sind Florian Hawlitschek und Dr. Tobias Kranz, die beide am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Fach Informationswirtschaft geforscht haben. Während Kranz seit Anfang des Jahres im Rhein-Maingebiet ansässig ist und sich beruflich mit Informatik und Statistik beschäftigt, arbeitet Hawlitschek derzeit in der Fächerstadt an seiner Dissertation zum Thema „Vertrauen in der Sharing Economy“. Das passt. „Das Prinzip des Teilens ist ein sinnvolles Konzept“, sagt der Junggründer. „Die Ideen der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung haben mich begeistert.“ Hawlitschek ist ein passionierter Wanderer und Camper in unberührter Natur. „In Schottland Auf ihrer Internetplattform www.gartenpaten.org bringen die Gründerinnen Leonie Culmann (links) und Veronika Wendt (rechts) Gartenbesitzer und Mitgärtner zusammen. Foto: Gartenpaten.org SEHNSUCHTSGÄRTNER ZIEHT ES INS GRÜNE Das Thema liegt wahrlich im Trend: Immer mehr Städter sehnen sich nach Naturerfahrung, Bewegung, Gesundheit, eigenem Gemüse, einem Stück Land, nach entspannender Gartenarbeit. In der Stadt schwer umzusetzen. Öffentliche Flächen gemeinsam zu nutzen, sogenanntes „urban gardening“, ist auch nicht jedermanns Sache. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die zwar einen Garten besitzen, sich ihm aber aus Alters- oder Zeitgründen nicht widmen können. Verwildern soll er aber auch nicht. Die Lösung liegt eigentlich auf der Hand: den Garten teilen. Leonie Culmann und Veronika Wendt, zwei naturverbundene in Freiburg ansässige, damals gartenlose junge Damen, hatten 2014 den richtigen grünen Riecher. Eine Landsharing-Plattform im Internet könnte beide Bedürfnisse zusammenführen. Denn eines hatten die beiden mit Gartenwunsch schnell gelernt. Dies wird eine schwierige Suche. Das war die Geburtsstunde für gartenpaten.org – einer kostenlose Internetplattform, auf der ungenutzte Gärten, Anbauflächen, aber auch Saatgut, Werkzeuge und Gartengeräte geteilt werden. Veronika Wendt studierte Forstökologie und Politik, interessiert sich für globale Ernährungsfragen und begeistert sich für urbanes Gärtnern sowie die Share Community. Ihren festen Job bei einer Bonner Consultingfirma hat sie gekündigt. In Kürze wird sie nach Freiburg zurückkehren. „Entweder es klappt oder es klappt nicht“, sagt sie. Ihre Projektpartnerin Leonie Culmann studierte Wildtiermanagement – ja das gibt es – und hat derzeit eine halbe Stelle bei der forstlichen Versuchs und Forschungsanstalt in Freiburg inne, die sie aber reduzieren will. Die einstige Waldorfschülerin hat über ihre Familie zum Nutzgarten gefunden: „Meine Großeltern und Eltern hatten wundervolle Gärten. Das prägt.“ In Wildtal bei Freiburg hat ihr ein Bauer einen Teil seines Gartens für ihre gärtnerischen Experimente abgetreten. „Der bestaunt jetzt dort meine Versuche“, erzählt die muntere Gründerin. Einen ersten finanziellen Anschub für die freundlich gestaltete Internetseite sammelten die beiden Gründerinnen 2015 mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne ein. Mit dem Bärenanteil des Share Economy Preisgeldes konnte die Internetseite dann endgültig fertiggestellt werden. „Ohne den Sieg im shareBW Wettbewerb stünden wir mit unserer Internetseite noch lange nicht da, wo wir heute stehen“, sagt Leonie Culmann dankbar. Zudem ermöglicht das Preisgeld nun die eine oder andere Marketingmaßnahme. Seit 2015 ist gartenpaten.org online und die erste erfolgreiche Gartenvermittlung in diesem Jahr kam in Karlsruhe Durlach zustande. Alleine im Vorjahr fanden auf gartenpaten.org 60 Gärten neue Mitbenutzer. Über kurz oder lang wollen die beiden naturverbundenen Gartenfreundinnen von ihren Gartenpatenaktivitäten leben. Derzeit streben sie unterschiedliche Kooperationen an und geben bereits gärtnerische Workshops. „Zudem schwirren uns bereits jetzt 1001 neue Ideen im Kopf herum“, verrät Leonie Culmann. Eine wurde bereits Wirklichkeit: Ein selbst entworfenes Poster über Mischkulturen im Gemüsegarten. Ganz analog auf Papier zu bestellen. WEBSEITE www.gartenpaten.org oef Gartenpaten.org: Gewinner beim Wettbewerb „Share Economy – Impulsgeber des digitalen Wandels“ UND IN ZWEI JAHREN? ganz viele Workshops, auch für Kinder. Auf Fördergelder sind wir dann nicht mehr angewiesen.“ Leonie Culmann, Mitgründerin von gartenpaten.org „Gartenpaten.org wird sehr bekannt sein. Viele werden die Seite kennen und selbstverständlich nutzen. Aber auch offline werden wir ein Begriff sein und wir geben UND IN ZWEI JAHREN? traktive Plätze für freies Zelten an.“ Florian Hawlitschek, Mitbegründer Sharewood-Forest „Im Wesentlichen etabliert. Wir haben einige Mitglieder mehr als heute und in allen Bundesländern bieten wir at


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