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10 WIRTSCHAFT IN DER REGION ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG ras und selbstständiges Bremsen und Anfahren im Stop-and-Go-Verkehr gehören inzwischen zunehmend zur Ausstattung. NEUE ARCHITEKTUR GESUCHT Die nächste Generation des Automobils benötigt eine neue Architektur, um die vielfältigen neuen Funktionen unterstützen zu können. Die Weichen dafür werden auch in Ettlingen gestellt. Poulidis hielt eine der Keynote Speeches bei der offiziellen Eröffnung des Marvell Automotive Center of Excellence (ACE) am vergangenen Montagvormittag in Ettlingen – dem ersten Marvell-Technologiezentrum dieser Art weltweit. Hier stellt Marvell neueste Entwicklungen rund um die Architektur vernetzter, intelligenter Fahrzeuge vor und arbeitet mit den Kunden aus der Automobilindustrie und Zulieferern an innovativen Lösungen. Bei deutlich größer werdenden Datenströmen im Auto – durch Fahrrassistenzsysteme, Navigation, Sicherheitstechnik, Unterhaltungselektronik – werden immer leistungsfähigere Datenverbindungen benötigt, die in die Architektur intelligenter Fahrzeuge integriert Die Zukunft des Automobils hat schon begonnen: „Wir sind vom Züricher Flughafen mit einem Tesla abgeholt worden, die Fahrerin hat sich mit uns unterhalten, als säßen wir zusammen im Wohnzimmer. Sie musste nur einmal eingreifen“, erzählt Philip Poulidis (Vice President) von Marvell Semiconductor Inc.) und ist damit mitten im Thema. Die Automobil-Technologie hat sich in den vergangen Jahren rasch weiterentwickelt: Apps, Integration des Tablet-PCs, Vogelperspektiven-Kamezeugelektronik. Vom neuen Standort profitieren daher alle unsere Kunden.“ Ein Team von 50 Experten arbeitet hier – mitten in der Automotive-Region Baden-Württemberg – an Innovationen im Bereich Automotive Ethernet sowie integrierten Automotive-Lösungen. Im Schulungsbereich des neu eröffneten Training Centers erhalten Kunden und Partner einen umfassenden Einblick in das Automotive-Portfolio. Die Marvell Semiconductor Germany GmbH in Ettlingen ist seit 2002 Teil von Marvell Technology. Das Unternehmen ist ein globaler Halbleiter-Anbieter mit 5 300 Mitarbeitern weltweit. Thomas Zimmer werden müssen. Hierfür bringt die Ethernet-Technologie klare Vorteile „durch die deutlich einfachere Verkabelung und das extrem geringe Gewicht“, wie Manfred Kunz, Geschäftsführer Marvell Deutschland, erläutert. Es wäre die Abkehr vom gängigen System, dem von Bosch entwickelten CAN-Bus. Der Standort Ettlingen ist mit Bedacht gewählt: „Mit dem Automotive Center of Excellence in Ettlingen können wir von einem zentralen Standort aus die Entwicklung im Automotive Bereich für ganz Europa vorantreiben“, erklärt Poulidis, „Deutschland ist ein wichtiges Zentrum für die Entwicklung von Fahr- Das Auto von Morgen entsteht in der Region INNOVATIONEN: Marvell eröffnet Automotive Center in Ettlingen Michael Kunz (Zweiter von links) und Philip Puolidis (Zweiter von rechts) bei der Eröffnungszeremonie mit dem Durchtrennen des roten Bandes. Fotos: Zimmer Das neue Marvell-Automotive Center of Excellence in Ettlingen. ben, werden passende Abstands- und Spurassistenten entwickelt, die die Manövrierfähigkeit deutlich verbessern. „Je nach Situation kann nahtlos zwischen Vorderrad-, Hinterrad- und Allradlenkung gewechselt werden“, sagt Mayer, der die Arbeitsgruppe Automatisiertes Fahren bei Schaeffler leitet und innerhalb der Forschungskooperation SHARE am KIT (Schaeffler Hub for Automotive Research in E-Mobility) forscht. Fahrmanöver in beengten Situationen werden durch OmniSteer zeitlich wie auch energetisch effizienter. Etwa beim Abbiegen und Spurwechsel im Stau oder vor Baustellen. Oder im Zustelldienst, wo sogar kontinuierlich aus der Fahrt heraus ein Einparken quer zur Fahrtrichtung möglich wird und somit nicht nur kleinste Parklücken effizient genutzt werden, sondern auch die Fahrspur für den fließenden Verkehr schnell wieder freigegeben wird. „Somit steigern diese Fahrfunktionen direkt Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz sowie langfristig auch Raumnutzung und Verkehrsfluss in Städten“, so Frey vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik des KIT. Innerhalb von OmniSteer entsteht am KIT ein verkleinertes Demonstrationsfahrzeug, das mehrdirektionale und nichtlineare Fahr- und Lenkmanöver Autos steigern die Mobilität ihrer Nutzer. In engen Innenstädten jedoch stoßen sie an die Grenzen der eigenen Manövrierfähigkeit. Etwa für Vielparker wie Lieferdienste und mobile Pflegekräfte vergeht viel Arbeitszeit mit Einparken und Parkplatzsuche. Neuartige Fahrwerke mit einzeln lenkbaren Rädern und elektrische Antriebe können die Wendigkeit und so die Effizienz gerade im fließenden Stadtverkehr erhöhen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt OmniSteer will bis 2018 mit einem Budget von 3,4 Millionen Euro die passenden Konzepte und Prototypen erforschen. In Karlsruhe wird die Welt erneut auf die Räder gestellt. „Die zunehmende Elektrifizierung und Automatisierung von Fahrzeugen ermöglicht es, dem Nutzer neuartige Fahrfunktionen anzubieten“, erklären die Projektleiter Dr. Marcel Mayer von der Firma Schaeffler und Dr. Michael Frey vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Der Mehrwert von Elektroantrieben gegenüber Verbrennungsmaschinen tritt deutlich hervor, da wir elektrische Antriebe direkt in jedes Rad integrieren können.“ Zusammen mit neuartigen Radaufhängungen, die größere Lenkeinschläge an der Vorder- und Hinterachse erlaudes Lenkens (englisch „to steer“). Andererseits steht Omni als Akronym für Orthogonal (Rangieren rechtwinklig zur ursprünglichen Fahrtrichtung), Mehrdirektional (Bahnen lassen sich unterschiedlich abfahren) und Nichtlinear (Lenkradstellung und Lenkwinkel sind entkoppelt). Projektpartner sind die Firmen Schaeffler, PARAVAN und HELLA sowie Forscher des FZI Forschungszentrum Informatik und des KIT. Als Partner unterstützen die Firmen DEKRA, Custom Interactions sowie der durch e-mobil BW, die Innovationsagentur des Landes Baden-Württemberg, koordinierte Cluster Elektromobilität Süd-West (ESW) das Verbundprojekt. pm ausführen kann. Diese Eigenschaften ermöglichen innovative Fahrfunktionen und somit das Ausschöpfen des vollen Potentials von Automatisierung in elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Das Fahrzeug wird mit Sensoren das Umfeld erkennen, den bestmöglichen Fahrweg errechnen und dann komplexe Manöver eigenständig ausführen können. Das FZI Forschungszentrum Informatik bringt dafür Manöver- und Trajektorienplanungsverfahren in das Vorhaben ein, die die bestmögliche Fahrwerkskonfiguration situativ abhängig auswählen. Das Projekt OmniSteer ist auf drei Jahre angelegt. Der Präfix Omni steht einerseits für den ganzheitlichen Ansatz Wege neu erfahren TECHNOLOGIE: Das KIT entwickelt neuartiges Lenksystem Herkömmliche Autos ermöglichen Lenkmanöver in nur begrenztem Rahmen. Mit OmniSteer lässt sich jedes Rad einzeln lenken, was gänzlich neue Bewegungsfreiheit gibt. Foto: KIT


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